{"id":1396,"date":"2026-06-19T20:16:20","date_gmt":"2026-06-19T18:16:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.franke-ip.com\/de\/?p=1396"},"modified":"2026-06-19T23:23:38","modified_gmt":"2026-06-19T21:23:38","slug":"micro-entity-und-gebuehrenreduzierung-was-gilt-beim-dpma-und-was-beim-epa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.franke-ip.com\/de\/micro-entity-und-gebuehrenreduzierung-was-gilt-beim-dpma-und-was-beim-epa\/","title":{"rendered":"Micro Entity und Geb\u00fchrenreduzierung: Was gilt beim DPMA \u2013 und was beim EPA?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder erreicht uns die Frage, ob auch in Deutschland eine besondere Geb\u00fchrenerm\u00e4\u00dfigung f\u00fcr kleine Anmelder existiert \u2013 ein \u201eMicro-Entity-Rabatt&#8220;, wie ihn manche aus den USA oder vom Europ\u00e4ischen Patentamt kennen. Die kurze Antwort lautet: Das <strong>Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) kennt keinen solchen statusabh\u00e4ngigen Micro-Entity-Rabatt.<\/strong> Die viel beachtete 30%-Erm\u00e4\u00dfigung ist eine Regelung des <strong>Europ\u00e4ischen Patentamts (EPA)<\/strong>. Dieser Beitrag ordnet beides ein und zeigt, worauf es in der Praxis ankommt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Micro-Entity-Erm\u00e4\u00dfigung beim EPA<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem 1. April 2024 gew\u00e4hrt das EPA unter Regel 7a EP\u00dc eine Erm\u00e4\u00dfigung von <strong>30 %<\/strong> auf die wichtigsten Verfahrensgeb\u00fchren, wenn der Anmelder als Kleinstunternehmen (\u201emicro entity&#8220;) gilt. Erfasst sind unter anderem die Anmelde-, Recherche-, Pr\u00fcfungs-, Benennungs-, Erteilungs- und Jahresgeb\u00fchren sowie bestimmte Euro-PCT-Geb\u00fchren, wenn das EPA als Internationale Recherchenbeh\u00f6rde t\u00e4tig war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beg\u00fcnstigt sind dabei nicht nur Kleinstunternehmen im engeren Sinne, sondern auch nat\u00fcrliche Personen, gemeinn\u00fctzige Organisationen, Universit\u00e4ten und \u00f6ffentliche Forschungseinrichtungen. Ein <strong>Kleinstunternehmen<\/strong> ist \u2013 in Anlehnung an die EU-Empfehlung 2003\/361\/EG \u2013 ein Unternehmen mit weniger als 10 Besch\u00e4ftigten und einem Jahresumsatz und\/oder einer Jahresbilanzsumme von h\u00f6chstens 2 Mio. EUR.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt eine <strong>Mengenbegrenzung<\/strong>: Jeder Anmelder darf in den f\u00fcnf Jahren vor der ma\u00dfgeblichen Anmeldung weniger als f\u00fcnf europ\u00e4ische bzw. Euro-PCT-Anmeldungen eingereicht haben. Gibt es mehrere Anmelder, muss <strong>jeder<\/strong> von ihnen die Voraussetzungen eigenst\u00e4ndig erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist die weite \u00d6ffnung der Regelung: Sie gilt <strong>unabh\u00e4ngig von Staatsangeh\u00f6rigkeit, Wohnsitz, Gesch\u00e4ftssitz und Verfahrenssprache<\/strong> \u2013 anders als die fr\u00fchere, sprachbezogene Erm\u00e4\u00dfigung. Der Status muss jedoch <strong>ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rt<\/strong> werden, und zwar sp\u00e4testens bei Zahlung der jeweiligen Geb\u00fchr; eine automatische Anwendung erfolgt nicht. \u00c4ndert sich der Status (etwa weil die Schwellenwerte \u00fcberschritten oder die Anmeldegrenze erreicht werden), ist das EPA zu informieren; nach diesem Zeitpunkt f\u00e4llige Geb\u00fchren sind wieder in voller H\u00f6he zu zahlen. Unzutreffende Erkl\u00e4rungen k\u00f6nnen nachteilige Folgen haben \u2013 eine sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung vor Abgabe der Erkl\u00e4rung ist daher anzuraten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und beim DPMA?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim DPMA gibt es <strong>derzeit keine vergleichbare Micro-Entity-Erm\u00e4\u00dfigung<\/strong> und auch keine statusabh\u00e4ngige Staffelung der Patentgeb\u00fchren nach Unternehmensgr\u00f6\u00dfe. Die deutschen Amtsgeb\u00fchren sind im internationalen Vergleich allerdings ohnehin moderat \u2013 ein wesentlicher Grund, warum eine gesonderte Erm\u00e4\u00dfigung f\u00fcr Kleinanmelder hier bislang nicht eingef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das deutsche Recht kennt allerdings ein eigenes Instrument zur finanziellen Entlastung, das in seiner Zielrichtung jedoch grundlegend anders konzipiert ist: die <strong>Verfahrenskostenhilfe<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Verfahrenskostenhilfe als deutscher Sonderweg<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verfahrenskostenhilfe (VKH) nach den \u00a7\u00a7 129 ff. PatG erm\u00f6glicht es Beteiligten in Verfahren vor dem DPMA, dem Bundespatentgericht und dem Bundesgerichtshof, die anfallenden Kosten ganz oder teilweise vom Staat tragen zu lassen. Im Erteilungsverfahren erh\u00e4lt der Anmelder VKH auf Antrag \u2013 unter entsprechender Anwendung der \u00a7\u00a7 114 bis 116 ZPO \u2013, sofern hinreichende Aussicht auf Erteilung des Patents besteht und die Anmeldung nicht mutwillig erscheint. Auf gesonderten Antrag k\u00f6nnen auch die Jahresgeb\u00fchren einbezogen werden; die Zahlungen erfolgen an die Bundeskasse. Die Bewilligung bewirkt im Kern, dass die sonst bei Nichtzahlung eintretenden Rechtsfolgen \u2013 etwa die R\u00fccknahmefiktion oder das Erl\u00f6schen \u2013 nicht eintreten. Auf Wunsch kann zudem ein Patentanwalt oder Rechtsanwalt beigeordnet werden (\u00a7 133 PatG).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ist die VKH ein wertvolles Instrument insbesondere f\u00fcr mittellose Einzelerfinder. Sie ist jedoch kein Rabatt, sondern eine <strong>bed\u00fcrftigkeitsabh\u00e4ngige Sozialleistung<\/strong> \u2013 und genau hier liegen die entscheidenden Unterschiede zu den internationalen Erm\u00e4\u00dfigungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nachteile der Verfahrenskostenhilfe gegen\u00fcber EPA und USPTO<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vergleicht man die VKH mit den Micro-Entity-Regelungen des EPA (30 %) und des USPTO (60 % als \u201esmall entity&#8220;, 80 % als \u201emicro entity&#8220;), treten mehrere Schw\u00e4chen zutage:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Bed\u00fcrftigkeitspr\u00fcfung statt Statuspr\u00fcfung.<\/strong> Die VKH setzt voraus, dass der Antragsteller die Kosten nach seinen pers\u00f6nlichen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen nicht oder nur teilweise aufbringen kann; diese sind offenzulegen und glaubhaft zu machen (Formular A9541). Die Erm\u00e4\u00dfigungen bei EPA und USPTO kn\u00fcpfen demgegen\u00fcber allein an einen einfach feststellbaren Status (Unternehmensgr\u00f6\u00dfe, Zahl der bisherigen Anmeldungen) an \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob der Anmelder verm\u00f6gend oder profitabel ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>F\u00fcr Unternehmen praktisch verschlossen.<\/strong> Juristische Personen \u2013 also etwa die typische Start-up-GmbH \u2013 erhalten VKH nur unter den sehr engen Voraussetzungen des \u00a7 116 ZPO, wenn die Unterlassung der Rechtsverfolgung allgemeinen Interessen zuwiderliefe. Die Micro-Entity-Erm\u00e4\u00dfigungen sind dagegen gerade auf Kleinstunternehmen zugeschnitten und stehen ihnen ohne Weiteres offen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Erfolgspr\u00fcfung im Vorfeld.<\/strong> Die VKH wird nur gew\u00e4hrt, wenn hinreichende Aussicht auf Erteilung besteht und keine Mutwilligkeit vorliegt. Das Amt nimmt also eine vorgelagerte materielle Einsch\u00e4tzung vor. Bei EPA und USPTO findet keinerlei Erfolgspr\u00fcfung statt; die Reduzierung gilt unabh\u00e4ngig von den Erteilungsaussichten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Antragsaufwand und Wiederholung je Verfahrensabschnitt.<\/strong> Die VKH muss f\u00fcr jeden Verfahrensabschnitt neu beantragt werden \u2013 die f\u00fcr das Erteilungsverfahren bewilligte Hilfe wirkt etwa nicht f\u00fcr das Einspruchsverfahren. Den internationalen Erm\u00e4\u00dfigungen gen\u00fcgt hingegen eine einfache Statuserkl\u00e4rung bei F\u00e4lligkeit der jeweiligen Geb\u00fchr.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stundung mit R\u00fcckzahlungsrisiko statt echter Geb\u00fchrensenkung.<\/strong> Die VKH senkt die geschuldete Geb\u00fchr nicht; sie verschafft je nach wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen eine ratenweise oder vollst\u00e4ndige \u00dcbernahme, die bei verbesserter Lage nachtr\u00e4glich zur\u00fcckzuzahlen sein kann. Die Micro-Entity-Erm\u00e4\u00dfigung reduziert demgegen\u00fcber den Geb\u00fchrenbetrag selbst dauerhaft und ohne R\u00fcckzahlungspflicht.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Rein nationale Reichweite.<\/strong> Die VKH erfasst ausschlie\u00dflich die Verfahren vor DPMA, Bundespatentgericht und BGH. Wer in Europa oder den USA anmeldet, profitiert dort von den jeweiligen Erm\u00e4\u00dfigungen, findet im deutschen Verfahren aber kein vergleichbar niedrigschwelliges Pendant.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unterm Strich ist die VKH eine zielgenaue Hilfe f\u00fcr tats\u00e4chlich Mittellose, w\u00e4hrend die Erm\u00e4\u00dfigungen bei EPA und USPTO als breit zug\u00e4ngliche, unb\u00fcrokratische F\u00f6rderung kleiner \u2013 auch durchaus wirtschaftlich gesunder \u2013 Anmelder konzipiert sind. Beide Instrumente verfolgen damit unterschiedliche Zwecke und sind nur eingeschr\u00e4nkt vergleichbar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weitere Wege zur Kostenentlastung in Deutschland<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der VKH bestehen weitere M\u00f6glichkeiten, Schutzrechtskosten zu senken. Dazu z\u00e4hlt insbesondere der <strong>EU SME Fund<\/strong>, \u00fcber den \u2013 sofern das F\u00f6rderfenster ge\u00f6ffnet ist \u2013 ein Teil der Amtsgeb\u00fchren erstattet werden kann; dieser setzt seinen Schwerpunkt allerdings auf Marken und Designs. Hinzu kommen F\u00f6rder- und Beratungsangebote, etwa \u00fcber die Patentinformationszentren. Auch verfahrensrechtliche Stellschrauben helfen, Kosten zu strecken: So l\u00e4sst sich der Pr\u00fcfungsantrag beim DPMA zeitlich nach hinten verlagern, sodass Pr\u00fcfungs- und Folgekosten erst dann anfallen, wenn die wirtschaftliche Bedeutung der Erfindung klarer absehbar ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Blick \u00fcber den Tellerrand<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">International ist das Bild uneinheitlich. Das <strong>US-Patentamt (USPTO)<\/strong> geht mit seinen beiden Stufen deutlich weiter als das EPA. Auch andere \u00c4mter, etwa die chinesische CNIPA, sehen Erm\u00e4\u00dfigungen vor. Wer ein Schutzrechtsportfolio \u00fcber mehrere L\u00e4nder aufbaut, sollte diese Unterschiede fr\u00fch in die Kosten- und Anmeldestrategie einbeziehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer als Kleinstunternehmen, Einzelerfinder, Hochschule oder gemeinn\u00fctzige Einrichtung in Europa anmeldet, sollte die EPA-Erm\u00e4\u00dfigung aktiv nutzen \u2013 sie kann \u00fcber das gesamte Erteilungs- und Aufrechterhaltungsverfahren erhebliche Betr\u00e4ge sparen, muss aber rechtzeitig erkl\u00e4rt werden. F\u00fcr nationale deutsche Anmeldungen beim DPMA gibt es hingegen keinen Micro-Entity-Rabatt. Die Verfahrenskostenhilfe kann hier einspringen, ist aber an Bed\u00fcrftigkeit, eine Erfolgspr\u00fcfung und einen sp\u00fcrbaren Antragsaufwand gekn\u00fcpft und f\u00fcr gew\u00f6hnliche Unternehmen kaum zug\u00e4nglich. Sie ersetzt damit keine echte Geb\u00fchrensenkung, wie sie EPA und USPTO bieten. Umso mehr lohnt sich f\u00fcr deutsche Anmelder der Blick auf F\u00f6rdermittel und auf eine durchdachte, kostenbewusste Gestaltung des Verfahrens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder erreicht uns die Frage, ob auch in Deutschland eine besondere Geb\u00fchrenerm\u00e4\u00dfigung f\u00fcr kleine Anmelder existiert \u2013 ein \u201eMicro-Entity-Rabatt&#8220;, wie ihn manche aus den USA oder vom Europ\u00e4ischen Patentamt kennen. 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